Im Kirchturm wird es eng

St. Jakobus in Rüdesheim läutet künftig mit neun Glocken / Anlieferung per Autokran

Von Bar­ba­ra Die­tel

RÜ­DES­HEIM. Es ist 10.40 Uhr, die vor ei­ni­gen Wo­chen neu ge­gos­se­ne 210 Ki­lo schwe­re Glo­cke Christ­opho­rus hängt si­cher am Ha­ken des Aus­le­gers ei­nes Au­to­krans. Drei­mal haut Mar­kus Schnei­der von der Fir­ma Hö­ckel-Schnei­der GmbH ge­gen die Glo­cke. Der Ton f`` er­klingt. Das Zei­chen für Ale­xan­der Pohl von der Fir­ma Heil. Er lässt die Glo­cke vom Bo­den ab­he­ben. Kei­ne fünf Mi­nu­ten spä­ter ist sie si­cher dort an­ge­kom­men, wo sie hin soll: im Glo­cken­turm von St. Ja­ko­bus. Mi­cha­el Schnei­der und Da­vid Kloft von Hö­ckel-Schnei­der, die in rund 30 Me­tern Hö­he die neu­en Glo­cken für das Ge­läut von St. Ja­ko­bus er­war­ten, zie­hen Christ­opho­rus mit­tels ei­nes Fla­schen­zu­ges mit­ten durch die Kirch­turm­uhr in den Glo­cken­stuhl. Die Schau­lus­ti­gen ap­plau­die­ren. Noch drei­mal wie­der­holt sich das kur­ze Schau­spiel, dann sind die vier neu­en Glo­cken im Turm.

Vor­be­rei­tung be­ginnt am frü­hen Mor­gen

Hin­ter den Mit­ar­bei­tern der Fir­ma Hö­ckel-Schnei­der, Spe­zi­a­lis­ten für Uhr- und Glo­cken­tech­nik, liegt da schon ei­ne Men­ge Ar­beit. Be­reits die Ta­ge zu­vor hat­ten sie im Turm, in dem bis­lang fünf Glo­cken hin­gen, Platz für die neu­en Glo­cken ge­schaf­fen. Drei Glo­cken, die bis­her mit­tig im Glo­cken­stuhl sa­ßen, ha­ben Mar­kus Schnei­der und sei­ne Mit­ar­bei­ter an die Sei­te ver­scho­ben. Sie wer­den künf­tig mit je­weils ei­ner neu­en im „Ge­gen­schwung“ läu­ten. Die vier­te neue Glo­cke wird am Ran­de des Glo­cken­stuhls mon­tiert, wo auch die äl­tes­te Glo­cke sitzt. An ih­rem an­ge­stamm­ten Platz bleibt auch die größ­te, die Ja­ko­bus-Glo­cke.

Mit dem Hubs­tei­ger hat Mi­cha­el Schnei­der seit dem frü­hen Mor­gen al­les aus dem Glo­cken­stuhl ge­räumt, was im We­ge steht. Um über­haupt von au­ßen in den Turm zu kom­men, muss­ten auf der Nord­sei­te die Zei­ger der Turm­uhr, die Schall-Lu­ken und das Tau­ben­git­ter ent­fernt wer­den. Aber auch der Rü­cken­schutz, der ver­hin­dert, dass ei­ner die stei­le Trep­pe her­un­ter­fällt, muss raus. „Es geht um je­den Zen­ti­me­ter“, so Mar­kus Schnei­der. Schließ­lich brau­chen die Män­ner noch ein biss­chen Be­we­gungs­frei­heit, wenn sie in den näch­sten Ta­gen die Glo­cken mon­tie­ren. Auf dem Weg wie­der nach oben, nimmt Mi­cha­el Schnei­der schon mal al­les Zu­be­hör mit, die Holz-Jo­che, an de­nen spä­ter die Glo­cken hän­gen, die Mo­to­ren, die über ei­nen Ket­ten­an­trieb und ein Seil­rad die Glo­cke zum Schwin­gen brin­gen, die Klöp­pel und der Vier­tel- und der Stun­den­schlag­ham­mer.


Zen­ti­me­te­rar­beit ist dann auch von Pohl ge­fragt, der den gro­ßen Au­to­kran si­cher an Weih­nachts­bu­den, Tan­nen­bäu­men, Lich­ter­ket­ten und an­de­ren Hin­der­nis­sen vor­bei zur Nord­sei­te der Kir­che ma­növ­riert. Dann, die Zu­schau­er an der Ab­sper­run­gen wer­den mehr, geht al­les ganz schnell. Ganz so mo­dern war die Tech­nik 1960 nicht, als zum letz­ten Mal vier Glo­cken in den Turm ge­hievt wur­den – da­mals mit ei­nem Fla­schen­zug, wie Stadt­ar­chi­var Franz Stoll, da­mals wie heu­te Au­gen­zeu­ge, be­rich­tet.